Auf ein Wort

Liebe Leserin, lieber Leser,

es wird! Die Anzeichen mehren sich, dass es bald wieder ohne Beschränkungen gesellschaftliches und vor allem kirchliches Leben gibt. Vieles wurde uns in den letzten Monaten abverlangt, und zum Teil nur höchst widerwillig haben sich die Menschen den Einschränkungen und Verboten gefügt. Es war in dieser Ausnahmesituation ein Gebot der Vernunft, den Gesetzen und Regeln zu gehorchen. Doch eigentlich sind wir Freiheit gewohnt, wollen wir selbst frei entscheiden, wen wir treffen, wohin wir gehen und fahren und zu welcher Uhrzeit wir unterwegs sind. Die erfahrenen Einschränkungen bleiben hoffentlich die Ausnahme.

Aber auch unabhängig von einem Pandemie-Geschehen ist das Verhältnis von persönlicher Freiheit zum Gehorsam gegenüber Gesetzen, gesellschaftlichen Regeln und staatlichen Instanzen oft spannungsreich. Ist es richtig und vernünftig, sich immer und überall an die Regeln und Gesetze zu halten? Oder gibt es Ausnahmen?

„Nur der Gehorsam dauert, der freiwillig ist.“ Das hat Niccoló Machiavelli (1469 - 1527) in seinem berühmten, 1513 verfassten Werk „Der Fürst“ geschrieben. Freiwillig ist man dann gehorsam, wenn es einleuchtet, was man zu beachten und auf was man zu verzichten hat. Ein Zeitgenosse von Machiavelli war Martin Luther. Ihm hat es ab einem Punkt überhaupt nicht mehr eingeleuchtet, den Regeln und Geboten seiner Zeit, die ihm von kirchlicher und weltlicher Obrigkeit auferlegt waren, blind zu folgen. Es kam für ihn der Zeitpunkt, an dem er aufbegehrte, Dinge in Frage stellte und die Freiheit des Glaubens einforderte.

 

Der Monatsspruch für den Juni wird dabei sicher Einfluss gehabt haben:

„Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“

 

Dieser Vers aus der Apostelgeschichte war ein Fundament Luthers bei den Debatten mit Vertretern der Kirche seiner Zeit. Auch vor dem Reichstag zu Worms (s.u.) wollte er sich nur der Autorität der Bibel unterwerfen. Seiner Standfestigkeit vor diesem Reichstag ist zu verdanken, dass wir als evangelische Christinnen und Christen unseren Glauben selbstbewusst leben können. Auch wenn es heute manchmal schwer ist, unter zahlreichen lauten Stimmen und in schrillen Bildern Gottes Wort wahrzunehmen, ist es umso wichtiger, immer wieder nach Gottes Willen zu fragen und daraus Schlüsse für das eigene Leben zu ziehen. Die Bibel bietet Orientierung. Sie zeigt, dass Menschen immer wieder den Mächtigen entgegengetreten sind, die Missstände der Zeit kritisierten und sich für ein Leben in Freiheit und Würde einsetzten. Gewaltlos und uneigennützig natürlich.

Ja, als gläubiger Mensch muss man manchmal einen klaren Standpunkt entwickeln und vertreten. Nicht nur in Krisenzeiten. Wann das anfängt? Am besten gleich heute Abend oder morgen früh, wie das Titelbild nahelegt.

 

Pastor Lars Petersen