Auf ein Wort

Wir mussten von Hilde Hoffmann Abschied nehmen (s. auch S. 4). Gedanken von ihr aus dem Herbst 2012, die viel von ihr erzählen:

 

Gedanken auf dem Rehagen

Im Frühling und beginnendem Herbst fallen mir die Bäume besonders auf. Im Sommer sind sie mit ihrem Laub so selbstverständlich, im Frühling stimmen sie mich erwartungsvoll, heiter und glücklich, im Herbst mit ihrer prangenden Buntheit weh- und ein bisschen schwermütig.

Dabei fällt mir ein, dass sie Sinnbild für uns Menschen und unser Leben sein können. Sie leben im Himmel mit ihrer Krone und auf Erden mit ihren Wurzeln. Wenn wir die Füße fest auf den Boden stellen, so sind wir getragen von der Erde und wenn wir uns aufrichten und den Kopf erheben, so sind wir gehalten und geschützt vom Himmel. Es gibt manche Redewendungen, die wir von Bäumen herleiten: baumstark – Bäume ausreißen können – aufbäumen gegen das Schicksal – es ist dafür gesorgt, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen – ist es das? Akzeptieren wir „die Grenzen des Wachstums“?

 

Ein Märchen aus Afrika.

Es war einmal ein finsterer Mann namens Ben Sadok. Ben Sadok wanderte durch die Wüste und kam zu einer Oase. Ben Sadok war so gallig in seinem Charakter, dass er nichts Gutes und Schönes sehen konnte, ohne es zu verderben. Am Rande der Oase stand ein junger Palmbaum im besten Wachstum. Der stach dem finsteren Mann in die Augen. Ben Sadok nahm einen schweren Stein und legte in der jungen Palme mitten auf die Krone. Mit bösem Lächeln ging er nach dieser Heldentat weiter. Die junge Palme schüttelte sich und bog sich und versuchte, die Last abzuschütteln. Vergebens. Zu fest saß der Stein in ihrer Krone. Da krallte sich der junge Baum tiefer in den Boden und stemmte sich gegen die steinerne Last. Er senkte die Wurzeln so tief, dass sie die verborgene Wasserader der Oase erreichten und stemmt den Stein so hoch, dass die Krone über jeden Schatten hinausreichte. Wasser aus der Tiefe und Sonnenglut aus der Höhe machten eine königliche Palme aus dem jungen Baum. Nach Jahren kam Ben Sadok wieder, um sich an dem Krüppelbaum zu freuen, den er verdorben. Er suchte vergebens. Da senkte die stolzeste Palme ihre Krone, zeigte den Stein und sagte: Ben Sadok, ich muss dir danken, deine Last hat mich stark gemacht.

 

Und einen Liedvers aus Deutschland

„Mach in mir deinem Geiste Raum und dass ich Dir wird ein guter Baum und lass mich Wurzel treiben. Verleihe, dass zu deinem Ruhm ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben.“

 

Hilde Hoffmann