Auf ein Wort

Befreit zum grenzenlosen Staunen - so kann man vielleicht beschreiben, was da vor ca. 2000 Jahren mit Menschen in Palästina geschehen ist. Befreit aus Depression, Erschrecken, Furcht, nicht begreifen können. So hat sich Ostern für die Menschen damals dargestellt.

Heute: Manchmal nicht wissen, was Ostern ist; oft nicht glauben können, was da erzählt wird, weil naturwissenschaftlich nicht erklärbar; hoffen auf einen fleißigen
Osterhasen.

Was für eine krasse, wenn auch verständliche, Wandlung ist da mit dem Fest vor sich gegangen, das das wichtigste unseres Glaubens ist. Krass - weil das Osterfest seines eigentlichen Kerns beraubt ist. Verständlich - weil, mit klaren Augen unserer Zeit darauf geschaut, kann es das ja gar nicht gegeben haben, was damals geschehen ist.
Wenn ich über Ostern nachdenke, dann mache ich mich auf die Suche, so, wie ich es schon in meinen Studienzeiten gemacht habe. Auch naturwissenschaftlich geschult und interessiert versuche ich zu begreifen, was mir da erzählt und begreifbar gemacht werden soll. Die Grenze, vor der ich auch stehe - ich kann es mir auch nicht erklären. Ich kann mir nur erzählen lassen, was Menschen erlebt haben und was das mit ihnen gemacht hat: Erschrockene haben ihre Furcht verloren. Niedergeschlagene sind wieder aufgestanden. Mutlose sind losgegangen ihr eigenes Leben in die Hand zu nehmen, Blinde haben sehen gelernt und Sehende neu zu sehen und die Welt und ihr Leben neu zu begreifen. Erstaunlich. Zum Staunen, weil die Grenzen des Begreifbaren überwunden worden sind und in Menschen spürbar und erkennbar eine Kraft hat Raum gewonnen, die ihnen ihr Leben wieder neu öffnet.

Gott ist nicht am Ende, auch wenn wir es immer wieder sind. Gott öffnet uns die Tür zum leben, in unser Leben hinein. Wir können die Kraft spüren, die Gott uns immer wieder schenkt und seinen Halt und seine Nähe - auch, wenn wir es selbst nicht mehr glauben können. Und über alle Grenzen unseres Verstehens hinaus. Das ist für mich Ostern.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie davon etwas in dieser Zeit entdecken können.

Christian Paul