Auf ein Wort

"Ich habe einen Schmetterling gesehen!"

Was mir jahrelang nicht aufgefallen war, wird mir nun immer mehr bewusst. Los ging es damit, dass ich irgendwann bemerkte, dass ich gar keine Insekten mehr von der Winschutzscheibe abwaschen musste - früher war das ein immer wieder ärgerliches und auch länger dauerndes Procedere mehrmals im Sommer. Dass das nicht mehr notwendig war - das habe ich erst gar nicht realisiert und wenn, dann eher erfreut. Und dann, dann fehlten irgendwann die Schmetterlinge. Ich erinnere mich daran, dass ich das wahrgenommen habe, aber nur unter dem Aspekt "Das ist ein schlechtes Schmetterlingsjahr." Dass es dann jahrelang viel weniger gab - diese Erkenntnis hat sich erst ganz langsam festgesetzt. Ich vermute, das ich auch da den Zeitpunkt nicht genau festlegen kann. Es geschah, als man darüber zu berichten begann, wie sich unsere Umwelt in einem unguten Sinn nachhaltig verändert. Ich vermute, nicht wenigen ist das nicht anders ergangen. Nun ist der Sommer langsam vorbei, meine Frontscheibe ist immer noch recht sauber und die Schmetterlinge, die ich in unserem Garten gesehen habe, kann ich immer noch fast zählen. Im Mai haben wir in der Gemeinde zusammen mit dem 'Verein  zum Erhalt der Hummelsbütteler Feldmark' den ersten Hummelsbütteler Naturtag begangen. Einige Vereine haben sich daran beteiligt, ein Imker hat uns über das Leben der Bienen informiert, unser Kinderbibeltag hat da stattgefunden und man konnte Fledermauskästen basteln und Insektenhotels erstehen. Dieser Tag hat auf viele Zusammenhänge hingewiesen, die es in der Nautur gibt und eine ganze Reihe von kleinen Schritten aufgezeigt, mit denen man selbst dafür sorgen kann, dass das Leben, das wir um uns brauchen und uns wünschen, wieder Platz findet. Die kleinen Folgen: Bei uns auf dem gesamten Gelände wird der Rasen nicht mehr so häufig gemäht und auch nicht mehr überall - blühender Rasen hilft Insekten. Eine Sommerblumenwiese füllt nun Teile des Gartens. Hecken und Knicks dürfen länger einfach nur wachsen. Schon kleine Flächen helfen, den kleinen Tieren wieder Lebensraum zu geben, die größeren folgen. Im Knick neben der Terrasse fühlen sich mittlerweile nicht nur ein Zaunkönigpaar und ein Rotkehlchen wohl.

Und die Schmetterlinge? Und die Frontscheibe? Bis die einen wieder reichlicher werden und ich die Windschutzscheibe wieder putzen 'darf', wird es wohl noch etwas dauern. Aber viele kleine Pflanzen an vielen kleinen Orten werden dazu helfen können ...

Mit vielen Grüßen
Christian Paul