Im Gespräch mit ... Christian Paul


Christian Paul ist seit zehn Jahren Pastor in unserer Gemeinde und geht nun Ende Oktober in den Ruhestand. Jetzt hatten wir endlich einmal Zeit für ein Gespräch.

Gerhild Krieger-Kopperschmidt: Du bist vor zehn Jahren in einer für die Gemeinde schwierigen Zeit nach Christophorus gekommen. Wie siehst Du die Entwicklung der Gemeinde von damals bis heute?

Pastor Christian Paul: Ich finde die Gemeinde ist, wie man so sagt, angekommen, sie hat Ruhe bekommen. Ihre Freundlichkeit, Offenheit und der Umgang miteinander ist gut. Auf den Gemeindeversammlungen wird in Ruhe diskutiert, jede Meinung wird respektiert. Propst Vetter sieht in uns einen guten, verlässlichen Partner und auch aus den umliegenden Gemeinden bekomme ich positive Rückmeldungen.

G.K.K. : Gab es in den vergangenen zehn Jahren, Deiner Meinung, nach eine Zäsur?

P.C.P.: Man kann sagen, dass die innere und äußere Sanierung (= des Gemeindehauses 2014) der Gemeinde im Jahr 2015 abgeschlossen war. Dann hat der Gemeindeaufbau begonnen. Wir haben viele neue Projekte begonnen, wobei die Überarbeitung der Liturgie, (2013 angefangen und 2016 beendet) doch länger gedauert hat als geplant.

Danach haben wir einige neue Projekte auf den Weg gebracht: u.a. „abends bei uns“, das KonfiCamp, die Sonntagsköche, ‚Glauben heute‘, der „Tag der Natur“, (2019 das erste Mal, musste in diesem Jahr leider abgesagt werden), die „Mal anders“ Gottesdienste und auch das Osterspiel (leider auch abgesagt), bei dem sich viele schauspielerisch ausprobieren konnten.  Wir haben ein EAK (Ehrenamtlichen Koordination) eingesetzt, das die Arbeit unserer Ehrenamtlichen koordiniert und sich einmal im Jahr bei ihnen regelmäßig mit einem Essen bedankt. Bei allem waren immer wieder Gemeindeglieder und KGR Mitglieder dabei, um die Dinge auf den Weg zu bringen. Darin wird ein wesentlichen Teil der Qualität der Zusammenarbeit deutlich, die sich in den Jahren entwickelt und gefestigt hat.

G.K.K.: Ich hätte nie gedacht, dass in unserer Gemeinde so viele Menschen ehrenamtlich arbeiten. Wobei viele von ihnen ja mehrere „Jobs“ bei Christophorus haben.

P.C.P.: Das ist richtig. Dabei bräuchten wir mehr Ehrenamtliche, um die Arbeit auf mehr Schultern zu verteilen, denn unsere Ehrenamtlichen sind meistens ältere Menschen. Leider gibt es keinen deutlichen Zuwachs an Menschen, die ehrenamtlich arbeiten wollen. Es ist uns leider nicht gelungen, vor allem mehr jüngere Menschen für unsere vielfältige, ehrenamtliche Arbeit zu finden.

(Die Redaktion: Wer sich für die ehrenamtliche Arbeit in unserer Gemeinde interessiert: im Gemeindehaus liegt eine Broschüre über diese Arbeit zum Mitnehmen bereit.)

G.K.K.: Und wie sieht es in der Region Mittleres Alstertal aus?

P.C.P.: Es gibt eine gute Zusammenarbeit der Pastor*innen in der Region auf pfarramtlicher Ebene. Und vor allem die gemeinsame Jugendarbeit in der Region hat einen großen Sprung gemacht, wesentlich auch dank der Arbeit unserer regionalen Jugendreferentin Almut Kieffer. Das fängt an mit dem KonfiCamp, dann gibt es Jugendgottesdienste, den Teamer- und Jugendtreff, die Teamerausbildung … Die Jugendlichen sind auf dem Weg der Regionalisierung manchmal schon weiter als die Gemeinden, bei denen die Zusammenarbeit immer wieder auch von Einzelinteressen geprägt ist.

G.K.K.: Was wirst Du in positiver Erinnerung behalten?

P.C.P.: Das ist eine Menge. Viele Begegnungen zählen dazu, die Arbeit mit den Kindern in den Kitas, bei den Kinderbibeltagen und Kinderbibelwochen.

Da war das Ausprobieren neuer Gottesdienstformate, wie z.B. die „Mal anders“ Gottesdienste, die Zusammenarbeit mit dem KGR die mit trotz der manchmal etwas trockenen Themen viel Freude bereitet  hat.

Die Fest- und Feiertradition in Christophorus wird mir in guter Erinnerung bleiben – nicht nur das Feiern, sondern auch das Vor- und Nachbereiten. Das gemeinsamer Auf- und Abbauen des Zeltes, das Suppe Kochen  und - verkaufen auf dem Basar, der Besuch des Kunsthandwerkermarktes, das Spätsommerfest, die Agapefeier, das Basarhelferfrühstück und vieles mehr!

Ich bin dankbar für die vielen Begegnungen und die Zusammenarbeit mit den Haupt- und Ehrenamtlichen, vor allem auch den Mitgliedern des KGR. Sie alle sind für mich auch ein wesentlicher Grund und Halt in diesen Jahren gewesen.

Dass meine Frau, Simone Niethammer, an Vielem beteiligt war und ich mit ihr trotz ihrer Berufstätigkeit zusammen arbeiten und auch aufs KonfiCamp fahren konnte, war ein besonderes Geschenk. Ohne sie hätte ich manche schwierigen Zeiten auch nicht so überstehen können, wie es mit ihr an meiner Seite möglich gewesen ist.

Sicher habe ich auch nicht immer allen Menschen, die mit mir zu tun hatten, gerecht werden können. Auch das kommt leider vor und es tat mir in jedem Fall, der mir bewusst war, leid, dass es so gewesen ist. Dann kann ich nur wünschen und hoffen, dass diese Momente nicht entscheidend für ein Leben oder eine Haltung gegenüber der Kirche und der Gemeinde geworden sind und dass sich daraus trotz allem gute Wege und Entscheidungen haben finden lassen.

G.K.K.: Nun gehst Du Ende Oktober in der Ruhestand. Worauf freust Du Dich?

P.C.P.: Ich freue mich darauf, manche Last der Verantwortung loslassen zu können und mehr Zeit für meine Familie, für Freunde, für unser Segelboot und für das Segeln zu haben.

Für mich selbst werde ich ein Sabbatjahr einlegen und nichts übernehmen, was mit meinem Beruf zu tun hatte. Auch der Übergang in der Ruhestand ist eine Aufgabe – auf die ich mich jetzt freue.

G.K.K.: Vielen Dank für das Gespräch. Ich wünsche Dir alles Gute für Dein Ankommen im Ruhestand und Deine Pläne.

Gerhild Krieger-Kopperschmidt